Diffus großzelliges Lymphom – DLBCL: Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems, das im Körper für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig ist. Es besteht aus Gefäßen, Organen sowie besonderen Zellen, die zur Abwehr von Krankheitserregern dienen. Bei DLBCL sind einige dieser Zellen vom Typ B-Lymphozyten zu Krebszellen verändert und breiten sich im Körper ungehindert aus. Da die Erkrankung rasch fortschreitet, sprechen Ärzte von einem aggressiven oder auch hoch-malignen Lymphom.


Wie häufig ist DLBCL?

Das DLBCL gehört zu den sogenannten Non-Hodgkin-Lymphomen. Die Bezeichnung Hodgkin-Lymphom geht auf Thomas Hodgkin zurück, der 1832 die Erkrankung erstmals beschrieben hat. Alle anderen Lymphome gelten als Non-Hodgkin-Lymphom. In dieser Gruppe ist es mit über 30 Prozent das am häufigsten auftretende Lymphom. In Deutschland erkranken etwa 5100 Menschen jedes Jahr an DLBCL. 52 Prozent der Erkrankten sind Männer, 48 Prozent Frauen. Im Durchschnitt sind sie dann 71 Jahre alt.

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Welche Ursachen und Risiken gibt es?

Warum DLBCL entsteht, weiß man bisher noch recht wenig. Damit Abwehrzellen sich zu Krebszellen verändern, reicht es im Prinzip aus, dass sich Erbinformationen eines einzigen B-Lymphozyten verändern und nicht umgehend repariert werden. Diese mutierte Zelle kann sich dann ungehindert vermehren, sodass ein Lymphom entsteht.

Was diese genetischen Veränderungen auslöst, ist nicht eindeutig geklärt. Chemische Schadstoffe, ionisierende Strahlung, wie beispielsweise Röntgenstrahlung, Infektionen mit bestimmten Viren (Hepatitis C-Viren und bakterielle Infektionen) oder Bakterien sowie auch genetische Veranlagung sind einige Faktoren, die vermutlich die Entstehung eines Lymphoms begünstigen. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem wie HIV-Patienten oder Menschen mit einem transplantierten Organ scheint das Risiko, ein Lymphom zu entwickeln, größer zu sein.


Symptome und Früherkennung

Viele Beschwerden, die ein DLBCL verursacht, sind unauffällig. Typisch sind vergrößerte Lymphknoten, vermehrt im Hals oder im Brustraum, die meist nicht schmerzen. In ihnen sammeln sich die veränderten B-Lymphozyten, die nicht absterben, sondern sich unkontrolliert vermehren. Daher wird ein solches Lymphom oft nur zufällig erkannt, zum Beispiel bei einer Routineuntersuchung.

Lymphknotenschwellungen treten auch bei Toxoplasmose oder beim Pfeifferschen Drüsenfieber auf. Sie sind jedoch gutartig und gehen mit Abklingen der Infektion in der Regel zurück.

Hat sich das DLBCL bereits im Knochenmark ausgebreitet, kann es sein, dass das Blutbild bereits verändert ist. Werden etwa zu wenige rote Blutkörperchen gebildet (Anämie), fühlst Du dich müde und abgeschlagen. Bildet der Körper zu wenige Blutplättchen (Thrombozytopenie), kann es verstärkt zu Blutungen kommen, da die Blutgerinnung gestört ist. Ein Mangel an weißen Blutkörperchen (Leukopenie) führt zu einer erhöhten Infektionsneigung.

Zu den sogenannten B-Symptomen, die bei Krebserkrankungen häufig gemeinsam auftreten können, gehören Fieber, nächtlicher Schweiß und unerklärlicher Gewichtsverlust (mehr als zehn Prozent in sechs Monaten).

Lymphknoten, die länger als acht Wochen geschwollen oder vergrößert sind, sollten feingeweblich untersucht werden.
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Diagnose und Staging des Tumors

Bei Verdacht auf ein Lymphom wird Dein Arzt dich genauer untersuchen. Er wird durch Abtasten oder Abhören nach für das DLBCL typischen Befunden suchen. Er wird sich genau nach Deinen Vorerkrankungen, Erkrankungen in Deiner Familie und Deinen Beschwerden erkundigen.

Um ein DLBCL ausschließen zu können, wird er Dein Blut genau untersuchen lassen und eventuell eine Gewebeprobe aus einem Lymphknoten oder einen ganzen Lymphknoten entnehmen.

Bildgebende Verfahren wie Computertomographie, Kernspintomografie, Ultraschall, Röntgen oder auch eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) geben Auskunft darüber, wie weit der Tumor sich bereits ausgebreitet hat.

 

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Bei der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) wird dem Patienten radioaktiv markierter Zucker injiziert, der sich im stoffwechselaktiven Tumorgewebe anreichert und so den Tumor sichtbar macht.

 

Staging

Die Ausbreitung des Tumors wird mithilfe der Ann-Arbor-Klassifikation beschrieben. Im Wesentlichen unterscheiden Ärzte vier Stadien, die sich in Ort und Ausmaß des Befalls unterschieden. Therapie und Prognose richten sich nach dem ermittelten Stadium der Erkrankung sowie nach weiteren Details.

Stadium I: Ist zum Beispiel nur eine einzelne Lymphknotenregion beteiligt, handelt es sich um Stadium I.

Stadium II: Bei dieser Stufe sind zwei oder mehr Lymphknotenregionen auf der gleichen Seite des Zwerchfells beteiligt.

Stadium III: Sind Lymphknotenbereiche auf beiden Seiten des Zwerchfells beteiligt, spricht man von Stadium III.

Stadium IV: Sind bereits nicht-lymphatische Organe betroffen z. B. Lunge, Leber oder Knochenmark , handelt es sich um Stufe IV.

 

In den letzten Jahren gab es therapeutische Fortschritte: Heilungsraten von 60-70 Prozent sind möglich, wenn die Therapie früh begonnen wird.

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Therapie und Erstbehandlung bei DLBCL

Bei einem rasch fortschreitenden Lymphom, wie etwa beim DLBCL, solltest Du mit einer Therapie sofort beginnen, sofern Du keine schwere Infektion oder ähnliches hast. In den letzten Jahren gab es therapeutische Fortschritte: Heilungsraten von 60-70 Prozent¹ sind möglich, wenn die Therapie früh begonnen wird. Die richtigen Ansprechpartner für die Behandlung eines DLBCL sind Hämatologen und Onkologen.

Immunchemotherapie

Dein Arzt wird Dir eine Immunchemotherapie empfehlen, die individuell auf Deine Situation abgestimmt ist. Diese Kombination aus einer Antikörper– und einer Chemotherapie ist bei der Behandlung eines DLBCL das Mittel der Wahl.

Die eingesetzten Chemotherapeutika sind sogenannte Zytostatika. Sie hemmen die Vermehrung erkrankter B-Lymphozyten und / oder töten sie ab. Oft werden verschiedene Zytostatika kombiniert, um ihre Wirkung zu erhöhen.

Für die Immuntherapie werden Antikörper künstlich im Labor hergestellt. Sie markieren die erkrankten Lymphozyten und aktivieren das körpereigene Immunsystem, die Krebszellen zu erkennen und gezielt abzutöten.

 

Für die Infusion musst Du nicht stationär ins Krankenhaus, sondern kannst meistens am selben Tag wieder nach Hause.
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Die Immunchemotherapie erhältst Du in der Regel als Infusion, das heißt, sie wird Dir über einen Tropf direkt in eine Vene in den Blutkreislauf verabreicht. Eventuell kann für die Zeit der Therapie ein sogenannter Port sinnvoll sein. Das ist ein dauerhafter Zugang, damit nicht jedes Mal ein neuer Stich in die Vene nötig ist.

In der Regel dauert es zwischen 30 Minuten und bis zu sechs Stunden bis die Infusion vollständig verabreicht ist. Die Behandlung wird in bestimmten Abständen, sogenannten Zyklen, wiederholt. Die jeweiligen Behandlungsintervalle können unterschiedlich lang sein. Sie dauern meist etwa drei bis vier Wochen. Durchschnittlich dauert eine Therapie von DLBCL insgesamt etwa ein halbes Jahr.

Strahlentherapie

Strahlentherapie wird bei DLBCL nur selten angewandt, da überwiegend Patienten mit sehr großen Lymphomen von einer Bestrahlung profitieren. Auch wenn bereits Knochen befallen sind oder als ergänzende Therapie nach einer Immunchemotherapie ist die Strahlentherapie eine Behandlungsoption. Verwendet werden Röntgen- oder Elektronenstrahlen. Tumorzellen reagieren empfindlicher als gesunde Zellen auf Strahlung und können sich nicht weiter vermehren. Eine Strahlentherapie dauert etwa drei bis vier Wochen.


Behandlung bei einem Rückfall (Rezidiv)

Die Behandlung eines Rezidivs hängt davon ab, wie lang die Therapie zurückliegt. Liegt sie länger als zwei Jahre zurück, wird Dein Arzt in der Regel erneut zu einer Immunchemotherapie raten. Andernfalls wird er eine Stammzelltransplantation erwägen.

Stammzelltransplantation

Stammzellen haben eine ganz besondere Eigenschaft: Sie können sich noch zu unterschiedlichen Zellen weiterentwickeln. Es gibt verschiedene Stammzellenarten, zum Beispiel Blutstammzellen, die sich bevorzugt im Knochenmark befinden. Aus ihnen entwickeln sich unter anderem auch Lymphozyten.

Bei einer Stammzelltransplantation werden gesunde Blutstammzellen transplantiert. Diese können entweder vom Patienten selbst stammen (autologen) oder von einem Fremd- oder Familienspender (allogen). Bei einer autogenen Stammzelltransplantation sind dem Patienten Zellen vor einer sogenannten Hochdosistherapie entnommen worden, um sie nach der Behandlung wieder einzusetzen.

 

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Bei einer allogenen Transplantation ist es oft schwer, einen geeigneten Spender zu finden. Weltweit existieren Knochenmarkspender-Register, um einen Spender finden zu können, dessen genetische Eigenschaften möglichst gut mit denen des Patienten übereinstimmen. Je besser Patient und Spender übereinstimmen, desto geringer fallen mögliche Abstoßungsreaktionen aus, die den Erfolg der Therapie gefährden. Sogenannte Immunsuppressiva helfen, diese Reaktion zu kontrollieren. Meist können sie nach etwa 100 Tagen abgesetzt werden.

Die Hochdosistherapie zerstört das Knochenmark des Patienten. Sie wird oft mit einer Ganzkörperbestrahlung kombiniert und ist für den Patienten belastend. Daher wird eine solche Therapie eher bei jüngeren Patienten angewandt. Eine explizite Altersgrenze gibt es jedoch nicht.

Nebenwirkungen der Stammzelltransplantation hängen oft mit der vorausgehenden Hochdosistherapie zusammen. Chemo- und besonders eine Ganzkörperbestrahlung kann zu Unfruchtbarkeit, grauem Star und noch Jahre später zu einem Zweittumor führen.

 

CAR-T-Zell-Therapie

Die CAR-T-Zell-Therapie (CAR = chimärer Antigenrezeptor) zur Behandlung von Rezidiven bei DLBCL ist noch relativ neu. Spezielle Antikörperzellen des Patienten, T-Lymphozyten, werden im Labor gentechnisch so verändert, dass sie die Lymphomzellen erkennen können. Zurück im Körper des Patienten töten sie die Lymphomzellen ab.


Nebenwirkungen – wie gut verkraften Patienten die Therapie?

Wie viele Medikamente können auch Chemotherapeutika und die Antikörpertherapie unerwünschte Nebenwirkungen haben.

Nebenwirkungen durch Zytostatika

Da Zytostatika besonders die Zellen im Körper angreifen, die sich rasch teilen, sind zum Beispiel auch gesunde Zellen der Schleimhäute in Mund und Darm, der Haarwurzeln oder des Knochenmarks betroffen. Zu den typischen Nebenwirkungen zählen Übelkeit, Müdigkeit und Haarausfall. Seltener treten Gefühlsstörungen in den Extremitäten (Polyneuropathie) oder Veränderungen im Blutbild auf. Auch die Fruchtbarkeit kann beeinträchtigt sein.

Nebenwirkungen durch Antikörper

Im Vergleich zur Chemotherapie ist die Therapie mit Antikörpern besser verträglich. Eine der häufigsten Nebenwirkungen ist die infusionsassoziierte Reaktion (IRR). Typisch sind grippeähnliche Symptome wie Fieber, Schüttelfrost und allgemeine Abgeschlagenheit, erhöhte Infektionsneigung, Übelkeit, Durchfall, Schwäche, Kopfschmerzen, Atembeschwerden sowie Schwellungen in Mund- und Rachenbereich.

Nebenwirkungen der Strahlentherapie

Auch wenn bei der Strahlentherapie die Strahlenbelastung so gering wie möglich gehalten wird, um gesundes Gewebe zu schonen, kann es zu Nebenwirkungen kommen. Dazu zählen unter anderem Beschwerden im Magen- Darmtrakt, Müdigkeit, grippeähnliche Beschwerden, Geschmacksstörungen, Gefährdung der Fruchtbarkeit und eine erhöhte Infektanfälligkeit.


Wie lassen sich Nebenwirkungen lindern?

Nebenwirkungen lassen sich auf unterschiedliche Weise lindern. Dein Arzt kann Dir zum Beispiel spezielle Medikamente gegen Übelkeit geben. Nach der Therapie entwickeln sich viele Nebenwirkungen von alleine wieder zurück. Auch die psychische Belastung, die die Diagnose und Behandlung eines DLBCL für viele Patienten bedeuten, geht zurück. Nach etwa sechs Monaten haben die meisten ihre alte Leistungsfähigkeit wiedererlangt.

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Fruchtbarkeit (Fertilität) zu erhalten. Zum Beispiel kannst Du Ei- oder Spermazellen vor der Behandlung einfrieren lassen. Sprich Deinen Arzt darauf an, was für dich infrage kommt. Während der Therapie solltest Du verhüten, damit es nicht zu einer Schwangerschaft kommt.


Mögliche Spätfolgen der Therapie

Zu den möglichen Spätfolgen zählt zum Beispiel eine Fatigue, ein langanhaltender Erschöpfungszustand, der sich nicht durch Schlaf lindern lässt. Auch hier gibt es unterschiedliche Behandlungsansätze, wie Sporttherapie oder Entspannungsübungen, die eine Fatigue bessern können. In einigen Fällen bildet sich die Polyneuropathie nach Abschluss der Therapie nicht zurück, da die Nerven dauerhaft geschädigt sind.


Prognose bei DLBCL

Da die zu Krebszellen veränderten B-Lymphozyten empfindlich auf Chemo-, Strahlen- und Immuntherapie reagieren, sind die Heilungsaussichten mit 60-70 Prozent gut. Je nach ermitteltem Stadium des Lymphoms sowie anderen Kriterien – beispielsweise das Alter oder der gesundheitliche Allgemeinzustand des Patienten – , kann eine individuelle Heilungswahrscheinlichkeit abgeleitet werden.

 

Nach 2 Jahren ohne Rezidiv ist die Lebenserwartung normal.
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Von einer Remission sprechen Ärzte, wenn die Krankheitssymptome dauerhaft zurückgehen. Alle Patienten, die nach einer angemessenen Behandlung zwei Jahre ohne Rückfall sind, haben eine normale Lebenserwartung.


Nachsorge

Nach Abschluss der Therapie wird genau untersucht, ob noch Reste des Tumors vorhanden sind. Falls nicht, beginnt Dein Nachsorgeprogramm. Anfangs wird in kürzeren Zeiträumen – etwa alle drei Monate – kontrolliert, ob das Lymphom wiederauftritt. Nach einem Jahr werden die Kontroll-Abstände vergrößert. Die meisten Rezidive treten innerhalb der ersten zwei Jahre nach Abschluss der Therapie auf.

Auf der Website Leben mit Lymphom findest Du umfassende Informationen über das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom sowie Experteninterviews und Patientenberichte. Außerdem erfährst Du alles über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten und bekommst praxisnahe Empfehlungen für den Alltag mit DLBCL.

Nützliche Adressen rund um das Thema DLBCL

Weiterführende Informationen oder Ansprechpartner in Deiner Nähe können Dir auch Dein Arzt oder Deine Klinik vermitteln. Darüber hinaus bieten verschiedene Organisationen, Vereine oder Stiftungen wertvolle Beratungs- und Unterstützungsangebote für Betroffene. Hier findest Du wichtige Adressen:

Kompetenznetz Maligne Lymphome

Gemeinnütziger Forschungsverbund, der deutschlandweit die Behandlung, Betreuung und Information für alle Lymphom-Patienten sicherstellen und verbessern möchte.

https://lymphome.de/

 

Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe e.V.

Bundesverband der Selbsthilfeorganisationen zur Unterstützung von Erwachsenen mit Leukämien und Lymphomen e.V., steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Krebshilfe.

https://www.leukaemie-hilfe.de

 

LebensWert e.V.

Initiative für krebskranke Patienten, die sich besonders für die Verbesserung der psychoonkologische Versorgung und Betreuung der Patienten einsetzt.

www.vereinlebenswert.de

 

Myelom Deutschland e. V.

Bundesverband Multiples Myelom für Selbsthilfegruppen, Angehörige und alle Interessierte. Setzt sich besonders für Selbsthilfegruppen und die Interessen der Betroffenen und ihrer Angehörigen ein.

https://www.myelom-deutschland.de/

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