Die Ärztin Anika Biel (37) war als Kind an Krebs erkrankt, jetzt ist sie Chefärztin der urologischen Abteilung der Müritz-Klinik und glückliche Mutter.

Sie berichtet sowohl über ihre persönliche Erfahrung als auch über die neuen medizinischen Möglichkeiten, trotz einer Krebsbehandlung Eltern zu werden.

Ich war 20 Monate alt, als meine Krebserkrankung festgestellt wurde. Ich litt an einem metastasiertem Nephroblastom, auch Wilmstumor genannt. Diese Krebsart ist eine typische Krebserkrankung bei Kindern.  Ich bekam eine Chemotherapie, die Niere wurde entfernt und im Anschluss noch eine Strahlentherapie. In den 1980er Jahren lag der ausschließliche Fokus auf dem „akuten Überleben“. An Langzeitfolgen, Spätkomplikationen oder gar Fertilität konnte und wurde noch nicht gedacht.

Mit der Kinderlosigkeit arrangiert

Ich habe die Erkrankung und auch die Therapie überlebt. Ich bin in der glücklichen Lage mit keinen oder nur sehr geringen Einschränkungen leben zu können. Aber eins war meinen behandelnden Ärzten immer klar: ich werde nie schwanger werden können. Die damals bei der Chemotherapie verabreichten Medikamente in sehr hoher Dosierung in Kombination mit den Strahlen würden einen Kinderwunsch für immer verhindern. Damit hatte ich mich im Laufe des Lebens arrangiert.

Eine unvorstellbar große Überraschung

Nachdem ich dann meinen jetzigen Mann kennenlernte, kam jedoch immer mal wieder ein „was wäre, wenn“ in mir hervor. Durch die Aussage der behandelnden und nachsorgenden Ärzte und meiner eigenen medizinischen Ausbildung war ich mir sicher, dass eine normale Schwangerschaft nicht möglich sei. Also gingen wir ganz entspannt in die „Probier-Phase“. Schon einen Monat nach Absetzen der Verhütungsmittel, die ich zur Zyklusregulation eingesetzt hatte, wurde eine Schwangerschaft festgestellt. Die Überraschung war unvorstellbar groß.

Es entwickelte sich eine Bilderbuchschwangerschaft, ohne Übelkeit, ohne Ödeme, ohne Schwangerschaftsdiabetes. Jede Vorsorgeuntersuchung war allerdings eine besondere psychische Herausforderung für mich. Die Frage, ob die Chemotherapie die DNA der Eizellen geschädigt haben könnte, war für mich in dem Moment sehr präsent. Unser Sohn erblickte am 11.11.2013 kerngesund die Welt. Er ist ein wildes, abenteuerlustiges Kind mit viel Phantasie. Also ein ganz normaler 5-jähriger. Was für ein Glück, dass Ärzte, mich eingenommen, sich auch mal irren.

Kinderwunsch in die Therapie miteinbeziehen

Die Medizin entwickelt sich rasant weiter, für viele Tumorerkrankungen konnten die Heilungsraten in den letzten Jahrzehnten gesteigert werden. So verschiebt sich die Therapie weg von einem „irgendwie überleben“ hin zu einem möglichst wenig beeinträchtigten Langzeitüberleben. Hierzu gehört auch, dass ein Kinderwunsch und eine möglichst fertilitätserhaltende Therapie mit einbezogen werden.

Dem zu Gute kommt auch eine Gesetzänderung. Die Kosten für die sogenannte Kryokonservierung das Einfrieren von Ei- oder Samenzellen werden jetzt von der Krankenkasse übernommen.  Das Angebot besteht für Frauen bis zum 40. Lebensjahr und für Männer bis zum 50. Lebensjahr, wenn ihnen eine keimzellschädigende Therapie bevorsteht. Bis zu dieser Änderung mussten die Kosten von ca. 300 Euro pro Jahr von dem Patienten selbst getragen werden. Eine untere Altersgrenze gibt es nicht, so dass die Regelung auch für Patienten aus der pädiatrischen Onkologie gilt.

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