Hermann ist 73 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Speyer. Zusammen mit seiner Frau führte der ehemalige gelernte Koch über 40 Jahre lang eine Bundeswehrkantine in Speyer. Im Jahr 2015 erhielt er die Diagnose „Metastasierter Lungenkrebs“. Da hatte sich bereits eine Metastase im linken Lungenoberlappen gebildet. Bis dahin war er ein begeisterter Sportflieger. Nach der Entfernung einer Metastase im Kopf erlitt Hermann Lalk einen epileptischen Anfall. Das war das Aus für seine Zeit als Hobby-Flieger. Doch auch auf der Erde lässt er sich nicht das Steuer aus der Hand nehmen und macht mit seinem Motorroller die Gegend unsicher. Sein Lebensmotto lautet: „Es kommt, wie es kommt. Ich kann es sowieso nicht ändern.“

„Die Diagnose hat mir die Füße weggezogen.“

Was hat Dich bewogen, überhaupt einen Arzt aufzusuchen?
Das war ein Zufall. Es war August und ich fuhr von einer Veranstaltung mit dem Zug zurück. Am nächsten Morgen war ich ganz heiser. Irgendwann ging ich zur HNO-Ärztin. Die meinte, die Stimmbänder seien entzündet. Doch die verschriebenen Medikamente halfen nicht und nach 14 Tagen ging ich noch einmal zur Ärztin. Sie riet mir, meine Lunge untersuchen zu lassen.
Zuerst erhielt ich eine Röntgenuntersuchung, dann kam ich sofort zur CT. Dort stellten die Ärzte einen Schatten auf der Lunge fest. Anschließend war ich zu einer Biopsie im Krankenhaus. Dort haben alle nur herumgedruckst. Als ich dann im Begriff war, nach Hause zu gehen, hat mir auf dem Flur eine Assistenzärztin gesagt: „Sie haben Lungenkrebs.“ Das hat mir die Füße weggezogen.
Wie ging es weiter und wo stehst Du heute auf Deinem Behandlungsweg?
Daraufhin ging ich zu einem Onkologen, bei dem ich jetzt auch in Behandlung bin. Er hat mir alles genau erklärt und eine Chemotherapie verordnet. Ich bekam dann sechs Chemotherapien, die ich recht gut wegsteckte – kein Haarausfall oder sonstige Beschwerden. Außerdem wurde mir eine Metastase aus dem Kopf entfernt. Zusätzlich erhielt ich drei Bestrahlungen am Kopf, weil dort noch eine kleine Metastase saß. Sie befand sich zu nah am Sprachzentrum und konnte operativ nicht entfernt werden.
Im Augenblick ist meine Erkrankung stabil und ich gehe regelmäßig zur Kontrolle: zu meinem Onkologen, außerdem alle drei Monate zu einer CT-Untersuchung. Zudem wird alle drei Monate mein Kopf im MRT durchleuchtet.

Wo hast Du Dich über die Erkrankung informiert?
Beim Onkologen habe ich viel Hilfreiches über Lungenkrebs erfahren. Er hat mir auch Informationsmaterial an die Hand gegeben und wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Ich kann ihm jederzeit Fragen stellen und er steht mir immer mit Rat und Tat zur Seite. Außerdem habe ich mich im Internet informiert.

Was hat sich durch die Corona-Pandemie für Dich verändert?
Da ich zu den Risikopatienten zähle, bin ich vorsichtiger geworden. Die ersten drei oder vier Monate blieb ich meistens zu Hause und wenn ich rausging, dann nur an die frische Luft. Sonst hat sich für mich nicht so viel geändert: Klar, ich trage zum Einkaufen oder so eine Maske und wasche mir häufiger die Hände. Darüber hinaus meide ich größere Versammlungen oder Veranstaltungen, wo man relativ wenig Abstand halten kann. Auf meine Lungenkrebsbehandlung hat sich Corona nicht ausgewirkt.

Wer unterstützt Dich?

Hauptsächlich meine Frau, meine Familie, mein Onkologe und meine Bekannten. Meine Frau hat mich auch immer zu den Arztterminen begleitet. Und weil ich aus meiner Erkrankung keinen Hehl mache, gehen meine Bekannten so wie vorher mit mir um. Es tut gut, zusammen über Gott und die Welt zu sprechen und nicht nur über die Krankheit. Sie haben versucht, ganz normal mit mir umzugehen.

Hast Du einen Weg gefunden, mit der Situation umzugehen?
Ich bin Optimist und habe nach der Diagnose nie den Kopf in den Sand gesteckt. Wenn mich jemand fragte, sagte ich: „Du, ich habe Krebs. Ich muss damit leben und versuchen, das Beste draus zu machen.“ Deshalb lebe ich eigentlich genau so wie vor der Diagnose. Gut, durch die Erkrankung fehlt mir ein Stück meiner Lungenfunktion. Das schränkt mich bei manchen körperlichen Tätigkeiten ein, weil ich nicht mehr so gut atmen kann. Das hängt jedoch auch mit dem fortgeschrittenen Alter zusammen.

Anderen Menschen mit Lungenkrebs würde ich raten, unbedingt so weiterzuleben wie bisher. Außerdem ist es ganz wichtig, sich in die Hand eines Arztes seines Vertrauens zu begeben und regelmäßig zu den Kontrolluntersuchungen zu gehen.

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