Lungenkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Weltweit steht Lungenkrebs sogar auf Platz eins der Krebserkrankungen. Lungenkrebs, medizinisch auch Lungen- oder Bronchialkarzinom, bezeichnet verschiedene bösartige Lungenkrebsarten, die ganz unterschiedlich verlaufen. Ihren Ursprung haben sie im Lungengewebe, meist im oberen Lungenflügel. In den letzten Jahren gibt es neue vielversprechende Ansätze für die Therapie von Lungenkrebs auf dem Gebiet der sogenannten zielgerichteten Therapien, zu der auch die Krebsimmuntherapie gehört.

Wie häufig ist Lungenkrebs?

Über 22 Prozent aller Krebserkrankungen in Deutschland betreffen die Lunge.1 In Deutschland zählt Lungenkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen. Bei Männern liegt er auf Platz zwei hinter Prostatakrebs. In den letzten Jahren gehen bei Männern die Neuerkrankungen zurück. Bei Frauen ist Lungenkrebs auf Platz drei hinter Brust- und Darmkrebs.2 Heute erkranken 4 bis 5-mal mehr Frauen an Lungenkrebs als vor 40 Jahren.3 Wahrscheinlich ist, dass sich jetzt die veränderten Rauchgewohnheiten der Frauen vor allem des letzten Jahrhunderts bemerkbar machen. War es in den 50er Jahren noch unüblich für Frauen zu rauchen, rauchten in den 70er Jahren bereits 29 Prozent. Anders bei den Männern: In den 50er Jahren rauchten 90 Prozent der Männer, heute etwa noch 33 Prozent.4 Das mittlere Erkrankungsalter von Lungenkrebs liegt in Deutschland für Männer und Frauen bei etwa 70 Jahren.

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Ursachen und Risikofaktoren bei Lungenkrebs

Zu den Risikofaktoren für Krebs zählen Stoffe, die Zellen schädigen und zu Erbgutveränderungen (Mutationen) führen. Die Lunge ist ein hochsensibles Organ, das den Körper mit Sauerstoff versorgt. Mit der Atmung nehmen wir im Laufe eines Lebens verschiedene Stoffe auf, die unserer Gesundheit schaden und auch Krebs auslösen können.

Rauchen – aktiv oder passiv, beides ist gefährlich

Einer der wichtigsten Risikofaktoren für Lungenkrebs ist nach wie vor das Rauchen. Beim Verbrennen von Tabak entstehen Stoffe, die krebserregend wirken, zum Beispiel sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.

Knapp 30% der Erwachsenen und knapp 8% der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland rauchen täglich oder gelegentlich.8

Sie schädigen die Erbsubstanz und können Mutationen auslösen, die letztendlich zu Krebs führen können.

Der weitaus größte Teil der Lungentumoren ist auf Zigarettenkonsum zurückzuführen. Das betrifft bei Männern etwa neun von zehn, bei Frauen sechs von zehn Erkrankungen. Auch Passivrauchen erhöht nachweislich das Krebsrisiko.6

Neue Berechnungen gehen von rund 36.000 Menschen (26.000 Männer, 10.000 Frauen) aus, die jedes Jahr an einem durch Rauchen verursachten Lungenkrebs sterben.7
Wenn Du aufhören möchtest, unterstützt dich beispielsweise die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit dem Projekt „rauchfrei“.

Auch E-Zigaretten sind nicht unumstritten, was das Krebsrisiko angeht. Es findet zwar keine Verbrennung, sondern eine Verdampfung statt. Aber die eingeatmeten Stoffe sind gesundheitlich nicht unbedenklich und stehen im Verdacht, Krebs oder andere Krankheiten auslösen zu können.

Umwelteinflüsse – Luftverschmutzung: Gift für die Lunge

Viele Schadstoffe aus der Luft sind lungengängig. Das bedeutet, dass sie klein genug sind, um tief in das Lungengewebe vordringen zu können, ohne wie größere Partikel in den oberen Luftwegen abgefangen zu werden. Im Lungengewebe richten sie dann Schaden an und können Krebs begünstigen. Zu diesen Schadstoffen gehören zum Beispiel Abgase aus Verbrennungsmotoren, aber auch Feinstaub aus Industrie und Landwirtschaft.

Das radioaktive Edelgas Radon, das natürlich in der Umwelt vorkommt, ist für etwa fünf Prozent der Lungenkrebserkrankungen verantwortlich.9 Bestimmte Regionen wie der Bayerische Wald oder das Erzgebirge sind in Deutschland besonders belastet. Es reichert sich in geschlossenen Räumen besonders in Erdgeschoss und Keller an. Konsequentes Lüften reduziert die Konzentration von Radon in den Räumen.

Alltägliche Einflüsse im Beruf

In bestimmten Berufen sind Menschen häufiger schädlichen Stoffen wie Asbest oder Quarzstäuben ausgesetzt. Zum Beispiel in der chemischen Industrie, im Baugewerbe, im Bergbau oder in Lackierereien. Hier kann geeignete Schutzkleidung wie Atemmasken das Risiko reduzieren.

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Je nach Beruf empfiehlt es sich eine Atemmaske zu tragen um das Risiko zu reduzieren.

Genetische Faktoren

Auch genetische Faktoren spielen bei Lungenkrebs eine Rolle. Kinder, deren Eltern bereits an Lungenkrebs erkrankt waren, haben ein etwa doppelt so hohes Risiko, selbst zu erkranken.10

Alle diese Faktoren begünstigen die Entstehung von Lungenkrebs. Aber auch, wenn man vollkommen gesund lebt, kann Krebs – und auch Lungenkrebs – durch einen Zufall ausgelöst werden. Ausgangspunkt ist zumeist ein Fehler in der Erbinformation, also in den Genen, der sich vervielfältigt und im schlimmsten Fall zu Krebs führt.

Symptome und Früherkennung von Lungenkrebs

Wie so oft bei Krebserkrankungen sind auch bei Lungenkrebs die Symptome selten eindeutig. Sie können auch durch andere Erkrankungen wie zum Beispiel eine Lungenentzündung hervorgerufen werden. Vollkommen beschwerdefrei bei der Diagnose sind allerdings nur etwa 10 Prozent der Patienten.11

Lungenkrebs – Diagnose und Stadien

Möchtest Du verdächtige Symptome von Deinem Arzt abklären lassen, wird er dich zunächst gründlich körperlich untersuchen und in einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) eventuelle Vorerkrankungen oder Lebensgewohnheiten erfragen.

Zur Absicherung der Diagnose liefern bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder Computertomografie viele Informationen – auch über Art und Ausbreitung des Tumors.

Besteht der Verdacht, dass sich bereits Metastasen gebildet haben, sind Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT), auch Kernspintomografie genannt, sowie die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) besonders geeignet.

Um Knochenmetastasen sichtbar zu machen, wird eine sogenannte Knochenszintigrafie zusätzlich zu CT, MRT oder Röntgen eingesetzt. Schwach radioaktive Stoffe, die Dir in die Armvene gespritzt werden, reichern sich in Gewebe und Zellen mit erhöhter Stoffwechselaktivität an. Die Knochenszintigrafie bildet genau diese Bereiche ab. Krebszellen und Metastasen mit ihrer typisch hohen Stoffwechselaktivität können so auch in Knochengewebe gut lokalisiert werden.

Dein Arzt wird auch ein Blutbild erstellen. Die ermittelten Werte lassen Rückschlüsse auf Deinen gesundheitlichen Allgemeinzustand zu. Eventuell sind spezielle Tumormarker, die auf eine Krebserkrankung hinweisen können, vorhanden.
Mit dem Rauchen aufhören Krebs
Krebs bewältigen

Eine Biopsie gibt genaue Auskunft über den Tumortyp

Für die weitere Behandlung ist es wichtig, möglichst viel über die spezifischen genetischen Eigenschaften des Tumors zu erfahren. Bei Lungenkrebs sind spezielle Genmutationen (z. B. ALK+ / ROS1 / EGFR) möglich. Von solchen und anderen Eigenschaften der Tumorzellen hängt ab, ob und welche zielgerichtete Therapie zur Behandlung infrage kommt. Dein Arzt benötigt Zellproben aus der Lunge und eventuell auch aus dem umgebenden Gewebe, die anschließend feingeweblich untersucht werden. Hier stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung: Die Lungenspiegelung, auch Bronchoskopie genannt, die Feinnadelbiopsie (Feinnadelaspirationsbiopsie oder Feinnadelpunktion), die Mediastinoskopie, der Endobronchiale Ultraschall oder die Liquid Biopsie (Flüssigbiopsie).

Lungenspiegelung (Bronchoskopie)

Bei der Lungenspiegelung, auch Bronchoskopie genannt, wird unter örtlicher Betäubung ein kleiner Schlauch mit einer Kamera am Ende durch Mund oder Nase über die Luftröhre in die Bronchien eingeführt. Die Untersuchung dauert etwa zehn bis 15 Minuten. Mithilfe des Bronchoskops kann Dein Arzt auch Gewebeproben entnehmen und sie anschließend feingeweblich untersuchen.

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Bei der Lungenspiegelung wird eine kleine Kamera in die Bronchien eingeführt

Feinnadelbiopsie, Feinnadelaspirationsbiopsie oder Feinnadelpunktion

Mithilfe einer langen dünnen Hohlnadel (Punktionskanüle) werden einzelne Zellen angesaugt. Der Einstichbereich wird vorher lokal betäubt, eine Narbe bleibt in der Regel nicht zurück oder ist sehr klein. Besonders eignet sich die Feinnadelbiopsie zur Gewinnung von nicht sehr festem Gewebe oder Flüssigkeiten.

Mediastinoskopie

Mediastinum („Mittelfell“) bezeichnet den Bereich zwischen Herz, Bronchien und Speiseröhre. Bei einer Mediastinoskopie führt der Arzt über einen kleinen Hautschnitt über dem Brustbein ein Mediastinoskop ein, um Gewebeproben entnehmen zu können. Eine Mediastinoskopie erfolgt unter Vollnarkose.

Endobronchialer Ultraschall (EBUS)

Der Endobronchiale Ultraschall ist eine Kombination aus Endoskopie und Sonographie. Das über die Luftröhre des Patienten unter Vollnarkose eingeführte Bronchoskop ist nicht nur mit einer Videokamera, sondern auch mit einem kleinen Ultraschallkopf ausgestattet. Der Bronchialraum kann betrachtet werden und in einem Arbeitsschritt eine Gewebeprobe, zum Beispiel aus einem Lymphknoten, entnommen werden.

Liquid Biopsie (Flüssigbiopsie)

Wenn beispielsweise aufgrund der Lage des Tumors keine Gewebeentnahme möglich ist, kann eine Liquid Biopsie unter Umständen Auskunft über die Eigenschaften der Tumorzellen geben. Die Liquid Biopsie ist ein rein molekularanalytisches Verfahren zum Nachweise geringster Mengen Tumorzellen beziehungsweise Tumorzell-DNA im Blut.

Welches der Diagnoseverfahren eingesetzt wird, richtet sich auch nach Deinem Gesundheitszustand. Die gängigste Methode ist die Lungenspiegelung (Bronchoskopie).

Zwei Hauptarten von Lungenkrebs

Es gibt zwei Hauptformen von Lungenkrebs: der kleinzellige Lungenkrebs (Small Cell Lung Cancer, SCLC) und der nicht-kleinzellige Lungenkrebs (Non Small Cell Lung Cancer, NSCLC).
Der seltenere SCLC ist aggressiv, das heißt, er neigt zur Absiedlung von Tumorzellen (Metastasierung) und wächst rasch. Gerade deshalb spricht er häufig gut auf eine Chemo- oder eine Strahlentherapie an. Eine neue vielversprechende Therapieoption für SCLC ist die Krebsimmuntherapie in Kombination mit einer Chemotherapie. Etwa 20 Prozent der Lungenkarzinome zählen zum SCLC.12

Etwa 80 Prozent sind vom Typ NSCLC.13 Er wächst langsamer als SCLC und neigt nicht so stark zur Metastasierung. Beim NSCLC gibt es noch weitere Unterformen:

1. Ein Adenokarzinom entsteht aus Zellen des Drüsengewebes in der Lunge.

2. Ein Plattenepithelkarzinom bildet sich aus Schleimhautdeckzellen (Epithelzellen) im Bereich der Bronchien.

3. Die Diagnose großzelliges Karzinom wird gestellt, wenn sich der Tumor weder als Adeno- noch als Plattenepithelkarzinom einordnen lässt. Es handelt sich um eine Ausschlussdiagnose.

4. Sonstige nicht-kleinzellige Lungenkarzinome

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Ermittlung des Tumorstadiums – Staging

Lungenkrebs wird international anhand der sogenannten TNM-Klassifikation eingeteilt, je nach Größe des Tumors, seiner Ausbreitung in umliegendes Gewebe, der Beteiligung von Lymphknoten im Brustraum und ob er bereits Metastasen in entfernten Organen gebildet hat.
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Die TNM-Einteilung bildet die Basis für die Unterscheidung verschiedener Krankheitsstadien. Diese Stadien können je nach Krebsart variieren. Bei Lungenkrebs gilt folgende Unterteilung:

Stadium I: der Tumor ist örtlich begrenzt, ohne Lymphknotenbefall und ohne Fernmetastasen.

Stadium II: der Tumor ist noch klein, aber umliegende Lymphknoten sind bereits befallen. Oder der Tumor ist bereits etwas größer, aber ohne Lymphknotenbefall.

Stadium III: der Tumor ist fortgeschritten und hat in die Lymphknoten gestreut. Oder der Tumor ist groß und in umliegendes Gewebe eingewachsen, hat aber noch nicht gestreut.

Stadium IV: Fernmetastasen sind vorhanden, die Größe des Primärtumors in der Lunge ist dann nicht wichtig.

Therapie und Erstbehandlung von Lungenkrebs

Deine Therapie richtet sich nach der diagnostizierten Lungenkrebsart – NSCLC oder SCLC –, ihren genetischen und biologischen Eigenschaften sowie dem ermittelten Stadium. Natürlich sind auch Dein allgemeiner Gesundheitszustand oder eventuell vorhandene Vorerkrankungen mitentscheidend. Dein Arzt wird eine Therapie zusammen mit Dir planen, die genau auf Deine Bedürfnisse abgestimmt ist. Ein Behandlungsschema, das für alle Patienten mit Lungenkrebs gilt, gibt es nicht. Jeder Krebs ist individuell.

Grundsätzlich stehen verschiedene therapeutische Ansätze zur Verfügung: Operation, Chemo- und Strahlentherapie, sogenannte zielgerichtete Therapien wie die Krebsimmuntherapie sowie eine unterstützende Therapie, die alles umfasst, was Dir das Leben und den Alltag erleichtert, zum Beispiel die Behandlung von Schmerzen.

Welche der zur Verfügung stehenden Therapieformen in welcher Reihenfolge und Kombination am besten eingesetzt werden, beraten Ärzte verschiedener Fachrichtungen gemeinsam in einer sogenannten Tumorkonferenz (Tumorboard).

Special Lungenoperation

Eine Operation der Lunge ist immer dann sinnvoll, wenn der Tumor noch nicht zu groß und gut erreichbar ist. Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Meistens wird ein Teil eines Lungenlappens entfernt.

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Schon eine Woche tägliche Atemübungen vor der Operation können Dir helfen, das Risiko für Komplikationen um 67 Prozent zu senken. Der Aufenthalt in der Klinik ist kürzer, die Wunde heilt besser und auch Deine Lungenfunktion profitiert.

Special: Zielgerichtete Therapien

Sogenannte zielgerichtete Therapien werden gerade zur Behandlung von Lungenkrebs immer wichtiger. Die eingesetzten Medikamente richten sich gezielt an spezielle Eigenschaften der Tumorzellen, um sie bekämpfen zu können.


Tyrosinkinasehemmer – bremsen gezielt das Tumorwachstum

Sogenannte Tyrosinkinasehemmer hemmen ein bestimmtes Signal, das die Tumorzelle zum Wachsen benötigt. Tyrosinkinasehemmer verlangsamen auf diese Weise sehr wirksam das Tumorwachstum.


Angiogenesehemmer – zielen auf die Nährstoffversorgung des Tumors

Auch Krebszellen benötigen Nährstoffe. Sogar sehr viele, denn sie haben einen hochaktiven Stoffwechsel und vermehren sich rasch. Ab einer bestimmten Größe regen Krebszellen die Bildung neuer eigener Blutgefäße an, über die sie sich mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen können. So ist es ihnen möglich, ihren hohen Stoffwechsel aufrechtzuerhalten und weiterzuwachsen. Angiogenesehemmer unterbinden diese Blutversorgung des Tumors. Der Tumor verhungert quasi.


Krebsimmuntherapie bei Lungenkrebs

Das Wissen über unser Immunsystem ist in den letzten Jahren immer komplexer geworden. In der Krebsmedizin wird dieses Wissen eingesetzt, um das körpereigene Immunsystem zu aktivieren, damit es den Tumor gezielt bekämpfen kann. Ärzte und Wissenschaftler sprechen dann von einer Krebsimmuntherapie.

Es gibt in der Krebsimmuntherapie verschiedene vielversprechende Ansätze, die auf unterschiedliche Eigenschaften des jeweiligen Tumors abzielen. Allerdings ist die Immuntherapie nur bei bestimmten Krebsformen anwendbar. Zielgerichtete Therapien, auch die Immuntherapie, werden vor allem beim NSCLC eingesetzt. Mittlerweile steht auch eine Immuntherapie beim fortgeschrittenen SCLC zur Verfügung.14

3 Fragen an Dr. Scheffler zu Therapieoptionen von Lungenkrebspatienten

Dr. Scheffler ist Arzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie an der Uniklinik Köln. Er erläutert, wie enorm sich Diagnostik und Therapie von Krebs entwickelt haben. Was hat sich speziell für Lungenkrebspatienten verbessert? Wie sieht Dr. Scheffler die weitere medizinische Entwicklung und was bedeutet das für Lungenkrebspatienten? Hier kannst Du hören, was die Zukunft bringt.


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Behandlung eines nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC)

Ist das NSCLC noch nicht in einem fortgeschrittenen Stadium (Stadium I und II), ist in der Regel eine Operation die erste Maßnahme. Auch bei Tumoren, die größer als vier Zentimeter sind und / oder wenn nur wenige Lymphknoten befallen sind, wird der Tumor operativ entfernt. Meist folgt eine Chemotherapie.

Ist eine Operation nicht möglich, wird der Tumor bestrahlt.
Muss ein Tumor vor der Operation zunächst durch eine Chemotherapie verkleinert werden, folgt nach der Operation meist eine Bestrahlung.

Ob und welche zielgerichtete Therapie angewendet werden kann, richtet sich nach den Tumoreigenschaften, die mit dem in der Biopsie gewonnenen Tumorgewebe bestimmt wurden.

In den fortgeschrittenen Stadien (Stadium III und IV) kommen neben den bereits genannten Therapieoptionen noch die Krebsimmuntherapie, Angiogenesehemmer und Tyrosinkinasehemmer infrage, die auch verschieden kombiniert werden können.

Eine weitere Therapieoption basiert auf der Bestimmung der genetischen Veränderungen des Tumors (zum Beispiel ALK+ / ROS1 / EGFR). Je nach Ergebnis der Bestimmung, kann eine auf die Mutation abgestimmte Therapie eingesetzt werden. Hier kannst Du mehr über Genmutationen und den Stellenwert der Testung bei Lungenkrebs erfahren.

Behandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms (SCLC)

Wenn ein SCLC diagnostiziert wird, ist der Tumor häufig bereits weit fortgeschritten und eine Operation nicht mehr möglich. Patienten erhalten eine Chemotherapie häufig kombiniert mit einer Bestrahlung. Da SCLC dazu neigt, im Gehirn Fernmetastasen zu bilden, wird unter Umständen der Kopf vorbeugend bestrahlt, um eine sogenannte cerebrale Metastasierung zu verhindern. Als neue Therapieoption für SCLC steht seit 2019 auch eine Immuntherapie kombiniert mit einer Chemotherapie zur Verfügung

Palliative Therapie

Ist der Krebs schon sehr weit fortgeschritten, werden die Ärzte versuchen, die Symptome der Erkrankung zu mindern. Neben Schmerzmitteln setzen Sie beispielsweise Chemo- oder Strahlentherapie ein, um schmerzende Metastasen einzudämmen.

Nebenwirkungen von Lungenkrebs

So wirksam verschiedene Therapien auch sind, jede kann unerwünschte Begleiterscheinungen hervorrufen. Dein Arzt wird immer genau zwischen dem Nutzen und der möglichen Belastung einzelner Therapiemaßnahmen abwägen. Er wird auch Deine individuelle gesundheitliche Situation sowie Deine Wünsche berücksichtigen.

Bei einer Lungenoperation entfernt der Arzt so wenig Gewebe wie nötig. Dennoch ist die Leistungsfähigkeit der Lunge nach dem Eingriff zunächst eingeschränkt. Das Atmen fällt schwerer. Es dauert einige Zeit, bis sich die Lunge erholt und ihr geringeres Volumen bis zu einem gewissen Grad ausgeglichen hat. Schwerwiegende und langfristige Atemprobleme sind bei einer ansonsten gesunden Lunge nicht zu erwarten. Ist die Lunge bereits vorgeschädigt, hat sie geringere Funktionsreserven und kann den Eingriff weniger gut ausgleichen. In gewissem Umfang kann eine Atemtherapie die Leistungsfähigkeit der Lunge trainieren.

Verschiedene Therapien können Nebenwirkungen auslösen. Informiere Dich bei deinem Arzt, er wird immer genau zwischen dem Nutzen und der möglichen Belastung einzelner Therapiemaßnahmen abwägen.
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Strahlen- und Chemotherapie können verschiedene Nebenwirkungen verursachen: Übelkeit, Schwindel, Irritationen der Haut und der Schleimhäute, erhöhte Infektanfälligkeit oder Blutarmut sind nur einige der möglichen Folgen. Meistens klingen sie nach Ende der Therapie wieder ab. Sind solche unerwünschten Begleiterscheinungen erfahrungsgemäß zu erwarten, kann Dein Arzt Dir bereits vor Therapiestart oder während der Behandlung zum Beispiel Medikamente gegen Übelkeit geben. Nebenwirkungen treten bei jedem Patienten etwas anders auf.

Die sogenannten zielgerichteten Therapien vertragen Patienten in der Regel vergleichsweise gut. Nebenwirkungen sind aber je nach verwendetem Medikament unterschiedlich. Bei einer Immuntherapie ähneln mögliche Nebenwirkungen einer starken Immunreaktion, wie sie etwa bei einer Grippe auftritt: Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen, Husten, Fieber, Kurzatmigkeit, Durchfall oder Hautausschlag. Sprich möglichst rasch mit Deinem Arzt, wenn Du solche Symptome bemerkst. Früh erkannt, können sie in der Regel gut behandelt werden.

Prognose bei Lungenkrebs

Eine generelle Prognose bei Lungenkrebs lässt sich nicht treffen. Form und Verlauf der Erkrankung sind zu unterschiedlich. Wie bei vielen Krebsarten gilt: Je früher entdeckt, desto größer sind die Überlebenschancen. Kann ein Lungenkrebs im frühen Stadium operiert werden, liegt die sogenannte Fünf-Jahres-Überlebensrate bei 50 bis 90 Prozent. Manchmal gelingt durch eine Operation auch eine vollständige Heilung.15

Lungenkrebs – Nachsorge

Über einen Zeitraum von fünf Jahren wirst Du nach einem individuellen Nachsorgeplan weiterhin medizinisch gut betreut. Die Nachsorgetermine kannst Du in der Regel ambulant beim Facharzt oder in spezialisierten Kliniken wahrnehmen. Dein Arzt wird in regelmäßigen Abständen Deinen Gesundheitszustand kontrollieren – auch, ob sich neue Krebszellen gebildet haben. Gegebenenfalls können sie dann schnell behandelt werden. Du solltest Deinen Arzt auch jederzeit ansprechen, wenn Du Veränderungen oder neue Symptome beobachtest. Das gilt auch für soziale oder mentale Probleme. Hier wirst Du im Rahmen der Nachsorge umfassend unterstützt.

Viele Lungenkrebspatienten profitieren von einer Atemtherapie , die leicht in den Alltag integriert werden kann. Die ersten Übungen hast Du vielleicht schon im Krankenhaus kennengelernt. Hier findest Du noch mehr Übungen mit Anleitung.
Lungenkrebs – Zusammenfassung
  • Lungenkrebs ist eine der häufigsten Krebsformen in Deutschland. Rauchen ist der Hauptrisikofaktor: Unter Lungenkrebspatienten haben 9 von 10 Männern und 6 von 10 Frauen aktiv geraucht. Aber auch andere Faktoren wie Luftverschmutzung spielen eine wichtige Rolle.
  • In den letzten Jahren hat die Therapie von Lungenkrebs deutliche Fortschritte gemacht. Es stehen neue Therapieformen zur Verfügung, die dem Immunsystem helfen, den Tumor zielgerichtet zu zerstören. Wichtig hierfür ist eine genaue Diagnose der Tumoreigenschaften.
  • Die durchschnittliche Fünf-Jahres-Überlebens-Prognose lag 2014 bei Männern bei 15 und bei Frauen bei 20 Prozent. Eine sichere individuelle Prognose ist schwierig, da Lungenkrebs sehr unterschiedlich verläuft. Je früher er erkannt wird, desto günstiger ist jeweils die Prognose.
  • Auf der Website findest Du umfassende Informationen über Lungenkrebs, Experteninterviews, Patientenberichte und viele praxisnahe Tipps für den Alltag mit Lungenkrebs.
  • Das Therapiebegleitprogramm Der zweite Atem – Mein Service bietet eine kompetente und einfühlsame Begleitung für Lungenkrebspatienten.
Nützliche Adressen zu Lungenkrebs
Ansprechpartner und Adressen kannst Du auch vor Ort über den Kliniksozialdienst oder Deinen Arzt erfragen. Hier findest Du wichtige Adressen rund um das Thema Leben mit Krebs:
BSL Bundesverband Selbsthilfe Lungenkrebs e. V.
Interessenvertretung aller an Lungenkrebs erkrankten Menschen sowie Selbsthilfegruppen zum Thema Lungenkrebs. Unterstützung, Erfahrungsaustausch und Information rund um das Thema sind wichtige Ziele des BSL.
https://www.bundesverband-selbsthilfe-lungenkrebs.de/
Landesverband Baden Württemberg für Lungenkrebskranke e. V.
Ehrenamtliches Netzwerk von und für Betroffene, Angehörige und Hinterbliebene mit vielen Informationen.
https://www.lungenkrebs-bw.de/LifeIsGood.php
„die ALKpositiven“
Privates Forum der Gemeinschaft von deutschsprachigen ALK-Patienten und ihrer Angehörigen.
http://www.diealkpositiven.de/
Interessengemeinschaft der ROS-1-Patientengruppe
Organisieren Patiententreffen, informieren und vermitteln Kontakte
http://ros1-krebs.de/
Haus der Krebs-Selbsthilfe Bundesverband e.V.
Bundesweite Interessenvertretung Krebskranker und ihrer Angehörigen. Hier findest Du viele Informationen und kostenlose Beratungsmöglichkeiten sowie Adressen zu Selbsthilfegruppen.
www.hausderkrebsselbsthilfe.de
NAKOS – Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen
Bundesweite Anlaufstelle rund um das Thema Selbsthilfe. NAKOS bietet neben vielen Infos eine Datenbanksuche zu Ansprechpartnern oder Selbsthilfegruppen.
www.nakos.de
Krebsinformationsdienst
Das Deutsche Krebsforschungszentrum gibt umfassende Informationen rund um das Thema Krebs. Hier findest Du auch Krebsberatungsstellen in Deiner Nähe.
https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/krebsberatungsstellen.php
Psychotherapeuten und Psychoonkologen in Deiner Nähe findest Du hier:
https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/psychoonkologen.php
Bundesministerium für Gesundheit
Über Pflege- und Palliativversorgung informiert auch das Bundesministerium für Gesundheit:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen/pflege.html
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin
Bundesweite Adressen und Informationen zu palliativmedizinischen Themen findest Du im Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung Deutschland
https://www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de/
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Mit Hilfe des vedk-Hospizlotsen findest Du passende Angebote zur Hospiz und Palliativversorgung
https://www.hospizlotse.de/(S(vsisbsiliebyjabovmlzm0wv))/presentation/pl_startseite.aspx?krankenkasse=tk

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