Unter Leberkrebs – auch Leberkarzinom, Leberzellkrebs, Leberzellkarzinom oder Hepatozelluläres Karzinom (HCC) genannt – verstehen Mediziner das unkontrollierte bösartige Wachstum von Zellen, die zu einem Tumor in der Leber heranwachsen. Ausgangspunkt eines Leberkarzinoms sind die Leberzellen (Hepatozyten). Die Leber ist das wichtigste Stoffwechselorgan. Sie baut eine Vielzahl von Stoffen, zum Beispiel Alkohol oder Medikamente, ab, damit sie über Nieren und Darm ausgeschieden werden können. Darüber hinaus ist sie ein wichtiger Energiespeicher, sorgt für eine effektive Fettverdauung und produziert Blutgerinnungsfaktoren.

Wie häufig ist Leberkrebs?

Das Robert Koch-Institut hat für Deutschland 2016 rund 9.000 Neuerkrankungen erfasst. Damit zählt Leberkrebs zu den seltenen Krebserkrankungen.¹ Allerdings hat sich die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten 35 Jahren verdoppelt. Einen Grund dafür sehen Wissenschaftler in der steigenden Zahl von Personen mit einer Leberzirrhose. Bewegungsmangel und Überernährung begünstigen die Entstehung einer sogenannten Fettleber, eine von verschiedenen Vorstufen einer Leberzirrhose. Männer erkranken mehr als doppelt so oft an Leberkrebs wie Frauen: 6.220 Männer und 2.750 Frauen waren 2016 betroffen.
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Ursachen und Risikofaktoren

Zu über 80 Prozent entwickelt sich Leberkrebs aus einer Leberzirrhose⁴, umgangssprachlich auch als „Schrumpfleber“ bezeichnet. Dabei wird funktionales Lebergewebe zerstört und durch Bindegewebe ersetzt. Die Leber verhärtet sich, vernarbt und schrumpft. Sie kann ihre lebenswichtigen Funktionen nicht mehr erfüllen.

Hauptursachen für eine Leberzirrhose sind in Deutschland übermäßiger Alkoholkonsum, Infektionen mit Hepatitis B- oder Hepatitis C-Viren oder eine Fettlebererkrankung, meist infolge von starkem Übergewicht (Adipositas) und einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Studien zufolge ist hoher Alkoholkonsum in Deutschland bei Frauen für etwa 15 % und bei Männern für etwa 35 % der Leberkrebserkrankungen verantwortlich.5

Aber auch eine angeborene Störung des Eisenstoffwechsels, bestimmte Medikamente sowie chemische Substanzen wie spezielle Lösungsmittel, Pflanzenschutzmittel oder Insektizide können, wenn auch selten, das Risiko für eine Leberzirrhose und damit für Leberkrebs erhöhen.

Im Vergleich zu Alkohol oder Hepatitis-Infektionen spielen diese Faktoren aber eine untergeordnete Rolle.

Symptome von Leberkrebs


Zu Beginn der Erkrankung verursacht ein Leberkarzinom nur selten Beschwerden. Deshalb werden kleine Tumoren in der Regel nur durch Zufall oder im Rahmen einer engmaschigen Beobachtung gefunden. Erst wenn der Tumor größer, die Erkrankung also schon weiter fortgeschritten ist und eventuell bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet hat, können verschiedene Anzeichen auf Leberkrebs hindeuten.

Auf diese Symptome solltest Du achten: Eine tastbare Schwellung unter dem rechten Rippenbogen, Druckschmerzen im rechten Oberbauch, Appetitlosigkeit und Übelkeit, erhöhte Temperatur mit unklarer Ursache, Schwäche, Leistungsminderung, ungewollte Gewichtsabnahme, Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht) und Juckreiz der Haut.
Auch wenn diese Symptome ganz andere Ursachen als Leberkrebs haben können, wie zum Beispiel Gallensteine: Sie sollten möglichst schnell beim Arzt abgeklärt werden. Denn durch eine Entdeckung im frühen Stadium bestehen sehr gute Heilungschancen.

Diagnose

Zur Diagnose von Leberkrebs erfragt der Arzt zunächst die Krankengeschichte (Anamnese) und untersucht den Patienten gründlich. Auch eine Ultraschalluntersuchung der Leber, bei Bedarf mit einem Kontrastmittel, gehört zum ersten Schritt der Diagnostik.

Erhärtet sich dabei der Verdacht auf einen Tumor in der Leber, folgt eine weitere Untersuchung mit einem bildgebenden Verfahren, vorzugsweise mit der Magnetresonanztomografie (MRT) oder mit der Computertomografie (CT). Damit kann der Arzt erkennen, ob ein Tumor vorhanden ist und wo er sitzt und wie weit er sich bereits ausgedehnt hat. Das hilft bei der Entscheidung, wie die Behandlung aussehen soll. In der Regel reichen diese Methoden aus, um Leberkrebs sicher zu diagnostizieren.

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Sobald Verdacht auf einen Tumor besteht, folgt eine weitere Untersuchung mit der Magnetresonanztomografie (MRT).


Manchmal lässt sich die Diagnose aber nur durch die Untersuchung von Tumorgewebe im Labor sichern. Dafür entnimmt der Arzt mit einer speziellen Nadel eine Gewebeprobe aus dem Tumor (Biopsie). Der kleine Eingriff ist meist schmerzfrei, da er unter örtlicher Betäubung erfolgt. Aus den gewonnenen Tumorzellen können viele biologische und genetische Eigenschaften des Tumors bestimmt werden.

Durch eine Blutuntersuchung lassen sich sogenannte Tumormarker bestimmen. Da durch diese Untersuchung eine Krebserkrankung aber nicht eindeutig nachgewiesen werden kann, ist sie ergänzend zu den anderen Untersuchungsergebnissen zu betrachten.

Magen- und Darmkrebs neigen häufig zur Bildung von Absiedelungen (Metasten) in der Leber. Deshalb sollte eine Magen- und Darmspiegelung durchgeführt werden, wenn der Verdacht besteht, dass es sich bei einem Lebertumor um eine Metastase handelt.⁶

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Sogenannte Tumormarker lassen sich durch eine Blutuntersuchung bestimmen.
Ist die Diagnose Leberkrebs durch die genannten Verfahren bestätigt, wird der Arzt im nächsten Schritt ermitteln, wie weit der Tumor sich bereits in der Leber ausgebreitet hat, ob Lymphknoten befallen sind und ob er auch in Brust- oder Bauchraum oder sogar in andere Organe gestreut hat. Dazu eignet sich eine kontrastmittelverstärkte Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Computertomografie (CT). Auf Basis aller Ergebnisse kann der Arzt die Art und das Stadium der Erkrankung bestimmen, von dem die weitere Behandlung abhängt.

Staging – Stadien von Leberkrebs

Um einheitlich zu beschreiben, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat, ob bereits Lymphknoten befallen sind oder ob Metastasen vorhanden sind, hat sich die TNM-Klassifikation bewährt.
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Um den Verlauf der Erkrankung besser einschätzen zu können und Therapieempfehlungen zu ermöglichen, wird eine Tumorerkrankung in unterschiedliche Stadien eingeteilt. Bei Leberkrebs gibt es bisher kein international einheitliches Staging. Die gebräuchlichste Klassifikation ist in Europa die BCLC-Klassifikation (Barcelona Clinic Liver Cancer). Ausgehend von der in der TNM-Klassifikation erfassten Einteilung, berücksichtigt sie auch, ob Blutgefäße der Leber betroffen sind, die Leberfunktion und den gesundheitlichen Allgemeinzustand.

Der sogenannte ECOG-Status beschreibt die körperliche Leistungsfähigkeit nach fünf festgelegten Gruppen 0 bis 4.

BCLC unterscheidet folgende Stadien, von denen abhängt, welche Behandlung die Ärzte wählen:

Stadium 0 (sehr frühes Stadium)

Der Tumor ist kleiner als 2 Zentimeter, ist nicht in die Blutgefäße der Leber gewachsen, ohne Symptome. Die Leberfunktion ist normal, der Patient ist nicht eingeschränkt.

Stadium A (frühes Stadium)
Bis zu 3 Tumoren in der Leber, alle kleiner als 3 Zentimeter, ohne Symptome. Blutgefäße der Leber sind nicht betroffen. Die Leberfunktion ist höchstens leicht beeinträchtigt, der Patient fühlt sich jedoch gut.
Stadium B (intermediäres Stadium)
Mehr als 3 Tumorherde in der Leber, von denen mindestens einer größer als 3 Zentimeter ist, ohne Symptome, Blutgefäße der Leber sind nicht betroffen. Die Leberfunktion ist höchstens leicht eingeschränkt, der Patient fühlt sich jedoch gut.

Stadium C (fortgeschrittenes Stadium)
Der Tumor ist in die großen Blutgefäße der Leber gewachsen (Gefäßinvasion) oder hat bereits Metastasen gebildet. Tumorbedingte Symptome. Die Leberfunktion ist leicht eingeschränkt. Der Patient kann sich noch selbst versorgen und kann mehr als die Hälfte der Wachzeit aufstehen (ECOG-Status 1 oder 2).

Stadium D (Endstadium)
Der Tumor ist in die großen Blutgefäße der Leber gewachsen (Gefäßinvasion) oder hat bereits in andere Bereiche des Körpers gestreut. Die Leberfunktion ist eingeschränkt, dem Patienten geht es sehr schlecht. Der Patient kann sich nur noch begrenzt selbst versorgen, beziehungsweise ist pflegebedürftig. ECOG-Status 3 oder 4.⁷ ⁸

Therapie eines hepatozellulären Karzinoms

Stadium 0 und A werden kurativ behandelt, das heißt, die Ärzte streben eine Heilung an. Eine Operation, zum Beispiel eine Teilentfernung der Leber, eine Transplantation oder sogenannte lokal ablative Verfahren können geeignete Therapien sein. Im Stadium B kann die transarterielle Chemoembolisation gewählt werden, im Stadium C kann eine systemisch, also eine im ganzen Körper wirkende Therapie sinnvoll sein. Stadium D wird in der Regel palliativ behandelt. Das heißt, eine Heilung ist nicht möglich. Es geht bei der Therapie um Symptomkontrolle und -linderung und darum, das Fortschreiten der Erkrankung so lange wie möglich hinauszuzögern und gleichzeitig die Lebensqualität zu verbessern.

Individueller Therapieplan: Tumorboard

Um die bestmögliche Therapie für jeden Patienten zu finden, beraten Experten unterschiedlicher Fachrichtungen gemeinsam über alle Optionen. In einer sogenannten Tumorkonferenz oder Tumorboard. So ist gewährleistet, dass die bestmögliche Therapie gefunden wird. Das Ergebnis eines solchen Tumorboards wird Dir Dein Arzt umfassend erklären. Denn die Entscheidung, welche Behandlungsmethode bei Dir zum Einsatz kommt, trefft ihr gemeinsam. Deshalb ist es wichtig, dass Du Deine Behandlungsmöglichkeiten wirklich verstehst. Frag so lange nach, bis Dir alle Einzelheiten klar sind.

Operatives Entfernen des Lebertumors: Resektion

Eine Möglichkeit, Leberkrebs zu behandeln, ist die Operation, bei der ein Teil der Leber (Leberteilresektion) entfernt wird. Allerdings kommt eine Operation nur dann infrage, wenn die Erkrankung in einem frühen Stadium entdeckt wird, der Tumor also noch auf die Leber beschränkt ist und die Leberfunktion trotz einer Leberzirrhose gut ist. Da Leberkrebs im Anfangsstadium so gut wie keine Beschwerden verursacht, wird er oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium, erkannt. Mehr als 75 Prozent der Patienten können daher zum Zeitpunkt der Diagnosestellung nicht mehr operiert werden.⁹

Lebertransplantation

Eine Lebertransplantation kommt nur bei etwa 5 Prozent der Patienten infrage. Der Tumor darf zum Beispiel nicht größer als fünf Zentimeter sein. Auch wenn der Krebs gestreut hat, ist eine Transplantation nicht sinnvoll. Während der Wartezeit auf ein Spenderorgan von durchschnittlich 6 bis 12 Monaten wächst der Tumor jedoch weiter. Eventuell kann er zunächst durch andere medizinische Verfahren, wie eine Radiofrequenz-Ablation verkleinert werden, um die Option einer Transplantation zu wahren. Die Transplantation selbst erfolgt in einem Transplantationszentrum.

Radiofrequenz-Ablation

Der medizinische Begriff „Ablation“ kommt aus dem Lateinischen (ablatio: „Abtragung, Ablösung“) und steht für das Abtragen oder Entfernen von Körpergewebe.

Die Radiofrequenz-Ablation (RFA) zerstört Tumorgewebe gezielt durch starke Hitze (Thermoablation). Eine Sonde, die nach Möglichkeit direkt ins Tumorgewebe geschoben wird, erhitzt und zerstört die Krebszellen zielgerichtet. Die Sonde kann unter Umständen durch einen kleinen Schnitt minimal invasiv eingeführt werden. Dann kann der Eingriff unter örtlicher Betäubung erfolgen. Meist kann der Patient das Krankenhaus bereits nach einem Tag wieder verlassen.

Eine ausführliche Übersicht über die verschiedenen lokal-ablativen Verfahren findest Du auf dem Onko-Internetportal der Krebsgesellschaft. Nicht alle eignen sich für die Therapie von Leberkrebs und werden daher nicht in den Patientenleitlinien aufgeführt.
Transarterielle Chemoembolisation

Ist der Tumor zu weit vorangeschritten, kommen Verfahren zum Einsatz, die das Tumorwachstum stoppen oder hinauszögern sollen. Dazu gehören die transarterielle Chemoembolisation (TACE) und die „Doxorubicin-loaded Drug-eluting Beads“ (DEB)-TACE. Hier werden die Wirkweisen von Embolisation und Chemotherapie miteinander kombiniert. Bei der Embolisation werden kleine Partikel – etwa aus Kunststoff – durch einen Katheter in die Blutgefäße gespritzt, die den Tumor versorgen. Sie verstopfen das Gefäß so, dass die Blut- und Nährstoffversorgung des Tumors unterbrochen wird. Während bei der TACE zuvor Chemo-Medikamente direkt in den Tumor gespritzt werden, kommen bei der DEB-TACE Embolisationspartikel zum Zuge, die mit einem Chemo-Medikament beladen sind. Beide Methoden sind vergleichbar effektiv und führen dazu, dass die Tumorzellen absterben. In seltenen Fällen kann die Embolisation alternativ auch ohne eine lokale Chemo durchgeführt werden.

Selektive interarterielle Radiotherapie

Bei der selektiven interarteriellen Radiotherapie (SIRT) werden radioaktive Kügelchen in die blutversorgenden Arterien der Leber beziehungsweise des Tumors gespritzt, deren recht hohe Strahlendosis den Tumor vor Ort zerstört. Der Tumor wird quasi von innen bestrahlt.

Medikamentöse Therapie von Leberkrebs

Im Gegensatz zu vielen anderen Krebsarten zeigt eine Chemotherapie bei Leberkrebs nur wenig Wirkung. Eine vielversprechende Option scheinen zielgerichtete Therapien zu sein, etwa sogenannte Tyrosinkinasehemmer. Sie nutzen eine bestimmte Eigenschaft der Krebszellen: Tumorzellen haben besonders viele Rezeptoren für Wachstumssignale. Tyrosinkinasehemmer blockieren diese Rezeptoren und verhindern, dass Wachstumssignale ausgelöst werden. Die Zellteilung wird gehemmt, sodass die Tumorzellen sich nicht mehr ungehindert vermehren können.
Krebszellen regen ihr Wachstum selbst an: Sie senden Wachstumsfaktoren aus, die die Zellteilung stimulieren. Sobald diese Faktoren an den Rezeptor andocken, erhält die Zelle den Befehl, sich zu teilen.
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Der Tyrosinkinase-Hemmer blockiert das Signal zur Zellteilung, indem er hier den innen liegenden Teil des Rezeptors besetzt. Damit verlangsamt das Medikament das Wachstum des Tumors.
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Darüber hinaus laufen derzeit verschiedene Studien, die die neuen Krebsimmuntherapien – teilweise in Kombination mit einer Chemotherapie, Tyrosinkinase-Hemmern oder Angiogenese-Hemmern – hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Leberkrebs untersuchen.

Unterstützende Behandlung

Auch Begleiterscheinungen der Krankheit können Deine Lebensqualität einschränken. Zu einer Krebstherapie gehört daher immer auch eine umfassende Behandlung von Symptomen wie Verdauungsbeschwerden, Schmerzen, Juckreiz der Haut oder komplexerer Krankheitsbilder wie beispielsweise einer anhaltenden Müdigkeit und Erschöpfung – Fatigue genannt.

Die unterstützende Behandlung betrachtet immer den ganzen Menschen, nicht nur seine rein körperlichen Beschwerden. Deshalb arbeiten hier auch verschiedene Fachkräfte zusammen: Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Musiktherapeuten oder andere.
Wenn Du Schmerzen hast, solltest Du sie rasch behandeln lassen, damit sie Dich nicht unnötig beeinträchtigen. Unbehandelte Schmerzen können sich verselbständigen und chronisch werden. Mit richtiger Behandlung lassen sich Schmerzen fast immer ausschalten oder zumindest deutlich lindern.

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Die kostenlose „Schmerz-App“ bietet unter anderem Infos zum Thema Schmerz und Schmerztherapie, einen interaktiven Schmerzfragebogen sowie Adressen von Beratungsstellen.

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Nebenwirkungen, Komplikationen und Langzeitfolgen

Zu den Risiken und möglichen Komplikationen einer Tumoroperation und vor allem einer Transplantation der Leber gehören Infektionen, Wundheilungsstörungen oder Blutungen. Manchmal ist ein erneuter operativer Eingriff nötig.

Eine Lebertransplantation ist eine große und komplizierte Operation. Durchschnittlich bleiben Patienten 30 Tage im Krankenhaus. Bei einer Transplantation besteht immer auch das Risiko, dass das neue Organ nicht wie erhofft, seine Funktion aufnimmt. Eine Abstoßungsreaktion des neuen Organs muss mit speziellen Medikamenten (Immunsuppressiva) ein Leben lang unterdrückt werden. Das Infektionsrisiko ist bei solchen Patienten dann langfristig erhöht.
Sieben von zehn Patienten überleben die ersten fünf Jahre nach einer Transplantation.¹⁰
Bei dem TACE-Verfahren kann es durch das Verschließen der Blutgefäße zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Fieber kommen. Diese Begleiterscheinungen klingen in der Regel nach einigen Tagen wieder ab. Medikamente können sie lindern.

Beim RFA-Verfahren kommt es sehr selten zu Komplikationen wie inneren Blutungen. Allerdings ist das Risiko, dass der Tumor nicht vollständig entfernt wird, etwas größer als bei einer Resektion.
Rezidive können gegebenenfalls erneut mit einer RFA behandelt werden. Auf die Überlebenszeit und -rate hat dies keinen Einfluss.¹¹

Eine verlässliche Prognose, ob und welche Nebenwirkungen oder Komplikationen auftreten, ist nicht möglich. Sie hängen zum Beispiel auch vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Hier wird Dein Arzt immer den Nutzen einer Therapie gegen die möglichen Beeinträchtigungen abwägen.

Prognose – wie ist die Lebenserwartung bei Leberkrebs?

Bei Leberkrebs hängt die Lebenserwartung stark vom Stadium zum Zeitpunkt der Diagnose und dem Zustand der Leber ab. So kann ein früh erkannter Leberkrebs vollständig geheilt werden. Wird er in einem späten Stadium entdeckt, erfolgt die Behandlung in einem palliativen, lebensverlängernden Rahmen. Generell ist die Prognose bei Leberkrebs eher ungünstig. Durchschnittlich überleben 11 Prozent der Erkrankten die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. Unbehandelt leben etwa sechs Monate nach der Diagnose nur noch 50 Prozent der Patienten.¹² Der persönliche Krankheitsverlauf kann durchaus anders sein und ist abhängig vom allgemeinen Gesundheitszustand und der Funktion der Leber.

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Das Erkrankungsalter liegt bei ca. 70 Jahren. Die Lebenserwartung hängt vom Stadium des Krebses ab.
Eine fortgeschrittene Leberzirrhose gehört zu den Risikofaktoren für Leberkrebs. Zwar ist die Leberzirrhose nicht zu heilen, aber mögliche Komplikationen sind behandelbar. Deshalb sollte eine bestehende Leberzirrhose regelmäßig (mindestens alle 6 Monate) kontrolliert werden. Dazu gehören in der Regel eine Ultraschalluntersuchung der Leber oder eine Lebersteifigkeitsmessung (Elastografie), eine Magenspiegelung sowie Blutuntersuchungen.¹³ Damit lässt sich eine Tumorerkrankung frühzeitig erkennen und behandeln, sodass sich die Chancen für den Patienten verbessern.

Auch chronische Infektionen mit Hepatitis-B-Viren sind ein Risikofaktor für die Entstehung von Leberkrebs. Eine Impfung gegen Hepatitis B schützt vor diesen Viren und wirkt somit vorbeugend gegen Leberkrebs. Eine weitere Risikogruppe stellen Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 dar. Hier weisen Studien auf die krebshemmende Wirkung eines oral einzunehmenden Diabetes-Medikamentes hin.¹⁴

Allgemein wirken sich eine ausgewogene, fettarme Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung, der Abbau von Übergewicht und ein weitgehender Verzicht von Alkohol entlastend auf die Leber aus.

Nachsorge

Auch nach Beenden der Therapie wirst Du im Rahmen der Nachsorge weiterhin ärztlich betreut und hast regelmäßige Kontrolluntersuchungen. Nach einer Radiofrequenzablation (RFA) erfolgt die erste Kontrolluntersuchung bereits nach vier bis sechs Wochen. Nach einer OP oder einer Transplantation wird in der Regel zwei Jahre lang alle zwei bis drei Monate kontrolliert, ob Tumorneubildungen vorhanden sind, ob sich also ein Rezidiv gebildet hat. Bei einer Transplantation kommt bei etwa 15 Prozent der Patienten der Krebs wieder.¹⁶

Nachsorgetermine geben Dir auch Gelegenheit, alle Beschwerden in Ruhe mit dem Arzt zu besprechen. Das können Spätfolgen der Therapie oder auch seelische Belastungen sein, die Deine Lebensqualität beeinträchtigen. Eine Orientierungshilfe zum Thema Psychoonkologie findest Du auch hier.
Zusammenfassung
  • Leberkrebs verläuft anfangs ohne Beschwerden. Deswegen wird er selten früh genug erkannt, um ihn noch heilen zu können. Die Prognose ist daher eher schlecht. Patienten mit einer Leberzirrhose sollten deshalb eine engmaschige Beobachtung in Anspruch nehmen.
  • Leberkrebs ist zwar relativ selten, gehört aber zu den häufigsten Ursachen für krebsbedingte Todesfälle in Deutschland. Zu den Risikofaktoren gehören neben übermäßigem Alkoholkonsum und speziellen Viren die zunehmende ungesunde Lebensweise in den westlichen Industrienationen.
  • Die Krebsimmuntherapie wird vermutlich in Zukunft die Behandlungsmöglichkeiten für fortgeschrittenen Leberkrebs erweitern.
Nützliche Adressen
Ansprechpartner und Adressen kannst Du auch vor Ort über den Kliniksozialdienst oder Deinen Arzt erfragen. Hier findest Du wichtige Adressen rund um das Thema Leben mit Krebs:
Deutsche Leberhilfe e. V.
Gemeinnütziger Verein, der die Interessen von Patienten mit Lebererkrankungen vertritt. Hier findest Du sehr viele Informationen rund um das Thema Leber, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen.
https://www.leberhilfe.org/
LeberKrebsHilfe
Hier findest Du sehr viele Informationen zur Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten, Ernährung, Sport und psychologische Unterstützung — unter anderem einen Therapiefinder.
www.leberkrebshilfe.info
Deutsche Krebsgesellschaft
Zertifizierte onkologische Zentren findest Du hier:
www.krebsgesellschaft.de/wub_onkologische_zent-ren_uebersicht,123706.html
Haus der Krebs-Selbsthilfe Bundesverband e. V.
Bundesweite Interessensvertretung Krebskranker und ihrer Angehörigen. Hier findest Du viele Informationen und kostenlose Beratungsmöglichkeiten sowie Adressen zu Selbsthilfegruppen.
www.hausderkrebsselbsthilfe.de
NAKOS – Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen
Bundesweite Anlaufstelle rund um das Thema Selbsthilfe. NAKOS bietet neben vielen Infos eine Datenbanksuche zu Ansprechpartnern oder Selbsthilfegruppen.
www.nakos.de
Krebsinformationsdienst
Das Deutsche Krebsforschungszentrum gibt umfassende Informationen rund um das Thema Krebs. Hier findest Du auch Krebsberatungsstellen in Deiner Nähe.
https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/krebsberatungsstellen.php
Psychotherapeuten und Psychoonkologen in Deiner Nähe
Findest Du hier:
www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/psychoonkologen.php
LebensWert e. V.
Initiative für krebskranke Patienten, die sich besonders für die Verbesserung der psychoonkologische Versorgung und Betreuung einsetzt.
www.vereinlebenswert.de
Bundesministerium für Gesundheit
Über Pflege- und Palliativversorgung informiert auch das Bundesministerium für Gesundheit:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen/pflege.html
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin
Bundesweite Adressen und Informationen zu palliativmedizinischen Themen findest Du im Wegweiser Hospiz – und Palliativversorgung Deutschland
www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de/
Deutsche Stiftung Patientenschutz für Schwerstkranke, Pflegebedürftige und Sterbende
Berät und informiert auch im persönlichen Gespräch rund um die Themen Pflege, Patientenverfügung oder Vollmachten.
www.hospize.de
Deutsche Schmerzgesellschaft e. V.
Fördert die Schmerzforschung und die Verbesserung der schmerztherapeutischen Versorgung in Deutschland. Hier findest Du Adressen schmerzmedizinischer Einrichtungen:
https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/versorgung/schmerztherapeuten/schmerzmedizinische-einrichtungen

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